31.07. Einmarsch im National Stadion

Zweiter Renntag.
Wir entschieden uns, mit der Bahn zum Stadion zu fahren. Eigentlich haben wir nicht viel Zeit eingespart, da die Bahnhöfe so riesig sind, muss man meistens über mehrere Rolltreppen in tiefere Stockwerke fahren und durch lange Gänge bis zum richtigen Bahnsteig gehen.
 
Austragungsort war heute das National Stadion, wo sonst nur die ganz großen Fußballspiele und 1991 sogar die Leichtathletik-WM stattfand, ein tolles Stadion, es fast ca. 100000 Zuschauer.
 
Um 8.30 Uhr fand ein feierlicher Einmarsch aller teilnehmenden Nationen statt. Da Christian als einziger Deutscher pünktlich da war, fuhr er stolz das Deutschland-Schild ins Stadion. Alle Nationen waren vollständig erschienen, nur die „Deutschen“ nicht, die übrigen Deutschen Teilnehmer hatten den Weg nicht gefunden. Vier Jungs, die als einzigste bei uns im Olympic Center wohnten, hatten verschlafen, sie sind erst um 11 Uhr aufgewacht und kamen erst, als die 100m Läufe beendet waren! Alle übrigen Deutschen Teilnehmer wohnten in einem  Hotel in der Stadt, nicht in der WM-Unterkunft. Schade, solche Dinge dürften bei einer WM eigentlich nicht passieren!!!
 
Zunächst fanden die 100m Läufe statt, nach der kurzen Mittagspause die 400m Läufe. Die Hitze hat den Sportlern ganz schön zugesetzt, schwer zu schaffen machten beim 400m Rennen zusätzlich der böige Gegenwind.
 
Nach den Rennen bereitete sich Christian auf den Start beim Hindernisparcours vor. Es gab keine Möglichkeit eines Probedurchganges, er versuchte an der Seite sich etwas einzufahren. Ganz besonders problematisch war bei dieser Disziplin wieder diese Regelung, beide Versuche sofort hintereinander zu fahren. Der Hindernisparcours muss mit hohem Tempo und höchster Konzentration gefahren werden, unmöglich im zweiten Durchgang diese hohen Anforderungen in gleicher Weise auszuführen. Das gab es noch bei keinem Wettkampf, diese Regelung, weder bei den vorangegangenen Weltmeisterschaften noch bei Deutschen Meisterschaften.
 
Normalerweise fährt er den ersten Durchgang auf Sicherheit, damit man eine Zeit hat. Den zweiten Durchgang dann mit vollem Tempo und vollem Risiko. Hier musste Christian taktisch vorgehen. Das volle Tempo und das volle Risiko in den ersten Durchgang, leider hat er ein Hütchen umgeworfen, ungültig! Der zweite Versuch war sehr gut und sehr schnell. Bei der letzten Drehung um das letzte Hütchen ca. 10cm vor der Ziellinie, rutsche er auf die Seite, kam mit einem Fuß auf den Boden, wieder ungültiger Versuch.
Er war total frustriert und sauer, hatte er doch zuhause wochenlang fast jeden Abend speziell für diese Disziplin trainiert und medaillenverdächtige Zeiten gefahren. Die Enttäuschung hat ihm lange Zeit zu schaffen gemacht. Aber entweder riskiert man alles oder man hat keine Chancen auf vordere Platzierungen!
 
Nach dem Abendessen und Duschen, erst mal raus, sich mit anderen Einradfahrer treffen. Jetzt war die ganze Anspannung vorbei! Es wurde spät an diesem Abend!