Per Muskelkraft über die Alpen
Einradweltmeister Christian Eckert aus Dogern überquerte in 6 Tagen mit dem MTB die Alpen
Ein Training der etwas anderen Art, diesmal nicht wie üblich auf dem Einrad, sondern auf dem Mountainbike. Eckert wagte das Abendteuer „Alpendurchquerung“ ganz alleine und fuhr auf der traditionellen Heckmair-Route von Oberstdorf (Allgäu) nach Riva (Gardasee). Die Transalp-Route wurde 1990 vom Oberstdorfer Bergführer Andreas Heckmair erkundet. In gerader Linie führt sie, Autostraßen vermeidend, auf alten Saumpfaden quer über die Alpen. Heckmair gilt seither als Pionier der Mountainbike-Alpenüberquerung.
Mit einem Carbon Mountainbike und 8 kg Gepäck auf dem Rücken begann der Maschinenbaustudent ganz alleine in Oberstdorf das Abenteuer Alpendurchquerung. „Es gehört schon ein bisschen Mut dazu und man muss ein wenig verrück sein, um einen Alpencross alleine durchzuführen“ erläutert der junge Sportler mit einem grinsen im Gesicht.
Diese Route überwindet auf einer Strecke von 389 km eine Höhendifferenz von 11080 Metern. Der höchste Punkt ist der Chauchanapass mit 2694 Metern, der niedrigste Riva mit 66 Metern. Auf der gesamten Tour wurden 13 Pässe überquert, davon war nur einer bis zum Pass geteert. Die Heckmair-Route führt über die Allgäuer Alpen, das Lechquellengebirge, die Rätischen- und Engadiner Alpen, über das Adamellogebirge und entlang des Ortlermassivs bis nach Riva am Gardasee.
„Wer sich vor einigen mehrstündigen Trage- und Schiebepassagen nicht scheut, sich im hochalpinen Gelände zu bewegen weiß und sein Bike auf technischen Trails unter Kontrolle hat, für den ist die legendäre Tour geeignet und er wird die Highlights der Transalp voll genießen können“ erklärt Eckert.
Von Oberstdorf ging es über das Rappental hoch zum Schrofenpass nach Österreich und danach in die Schweiz. Über den Kristbergsattel fuhr Christian Eckert am zweiten Tag zum Schlappiner Joch, das in den Schweizer Alpen liegt, hoch und weiter bergab bis nach Davos. Der dritte Tag war wahrscheinlich einer der härtesten, denn an diesem Tag wurden zirka 1400 Höhenmeter an einem Stück bewältigt: Der Chachaunapass, der höchste Punkt der gesamt Alpenüberquerung mit 2694 Metern stand auf dem Programm. Zweimal mussten auf dieser Etappe Pässe mit über 2600 Metern überwunden werden.
Nicht wirklich viel entspannender verlief der der nächste Tag der Tour. Am vierten Tag ging es nämlich auf der schweißtreibenden Passstraße des Passo di Gavia von Bormio mit 1225 Metern in einem Anstieg rauf bis auf 2652 Metern, ehe man die herrliche Höhenluft schnuppern konnte.
Am darauf folgenden und fünften Tag der Tour stand am Passo di Campo eine lange Trage- und Schiebpassage auf dem Programm. Dieser Teil der Tour wird von vielen Bikern umfahren, da dort ein fahren einfach unmöglich ist. An diesem Tag regnete es immer wieder und der gefürchtetste Teil der Tour Stand kurz bevor. „Bis zum Passo di Campo musste ich fünf Stunden das Bike schieben, größtenteils war nur das mühsame Tragen des Rades möglich, da das Gelände so unwegsam war“ erläutert Eckert mit stolz. Zudem war der schwierige Weg nass und ein falscher Tritt hätte lebensgefährliche Situationen mit sich gebracht. Den ganzen Tag begegnete er nur 2 Wanderern, die nur den Kopf schüttelten und sagten: „Mit dem Mountainbike über diesen Weg, unmöglich!“ Diese Worte bekam Christian Eckert in diesen Tagen des Öfteren zu hören, zu mal einige Wege und Saumpfade der Tour teilweise kaum mit dem Fahrrad überwindbar waren. Nach dem Pass folgte dann ein zweistündiger Abstieg zu Fuß mit dem Mountainbike unterm Arm, ehe wieder ein fahrbarer Trail unter die Stollenreifen kam.
Am letzten Tag hieß es dann nochmal die letzten Kräfte zu mobilisieren. Die härtesten Hürden waren bereits geschafft, und "nur" noch der Passo de Trimalzo musste überwunden werden. Es folgte von fast 2000 Metern eine rasante Abfahrt über Serpentinen bis nach Riva del Garda.
Nach sechs Tagen Fahrt, einer Sattelzeit von mehr als 55 Stunden und über 11000 gefahrenen Höhenmetern konnte die Ankunft ohne Pannen und Stürze gefeiert werden. Überglücklich und mit etwas Stolz, diese Tour alleine geschafft zu haben, sprang Christian Eckert zur Erfrischung erst mal in den Gardasee.
Zum Erfolg der Tour trug ein GPS-Gerät zur Orientierungshilfe, die gute Planung im Vorfeld, eine ausgezeichnete Fitness, ein starker Wille und genügend Härte, wesentlich bei.
Warum tut man sich solche Strapazen überhaupt an, werden die meisten Fragen? „Es gibt viele Gründe dafür“ antwortet Eckert. „Zum einen das Abenteuer, denn jeder Weg ist Neuland; die Herausforderung: Körper, Geist und Schweinehund zu überlisten; Ballast abzuwerfen: Was du wirklich brauchst, passt in einen kleinen Rucksack; Einfach die Natur genießen – abseits der Zivilisation“.
„Wer es einmal getan hat, tut es immer wieder.“ Hinzu kommt auch der Stolz: „Von einer geschafften Transalp zehrt man ein Leben lang und es sind viele unbezahlbare Hochgefühle, die man für Geld nicht kaufen kann“, verdeutlicht Christian Eckert.
„Es war nicht immer ganz einfach, vor allem bei stundenlangen Anstiegen muss man seinen inneren Schweinehund schon überwältigen und auf die Zähne beißen, um alleine die Pässe zu erklimmen. Ein Gewisses Risiko war immer mit dabei, bei Abfahrten oder Trails jenseits der Zivilisation und Teilstücke ohne Handyempfang“ erklärt Christian Eckert und ist froh, dass nichts passiert ist.
Als nächstes großes Highlight steht für Eckert die Teilnahme an der Einrad-Weltmeisterschaft in Neuseeland Ende Dezember an.














